Widerstand der Augen-Blicke

Ich träume…

…von einem Widerstand der Augen-Blicke.

 

Soldaten unterschiedlicher Lager blicken sich in die Augen.

In den Augen des Anderen entdecken sie das Leid, das ihrem eigenen gleicht.

Die gleiche Angst. Der gleiche Stolz. Das gleiche Heimweh.

Sie lassen die Waffen sinken.

Ein Moment der Stille kehrt ein.

Sie weinen.

Seine Tränen sind auch meine Tränen, denken sie.

Sie stellen sich einander vor. Das Gegenüber hat einen Namen.

Sie reichen sich die Hände.

Und sie entschließen sich, nicht weiterzukämpfen.

Vielmehr wollen sie ihren Kameraden von diesem Augen-Blick erzählen.

Wird der Keim aufgehen?

 

Ich träume…

…von einem Widerstand der Augen-Blicke…

 

 

Die Haltung der Hoffnung - Predigt vom 1. Adventsonntag (Lk 21,25-28.34-36)

Am Himmel zeichnet sich ein nahendes Gewitter ab. Angetrieben durch einen erst schwachen, dann stärker werdenden Wind, der immer mehr in einen Sturm übergeht, kommt die Front auf uns zu. Der Horizont ist dunkel und auch der Himmel über uns schwärzt sich ein. Die Bäume beginnen, sich zu biegen, es rauscht und raschelt, man hört ein Klappern und ein Pfeiffen. Was, bitte was kommt da auf uns zu? Wird es Verwüstung geben? Wird es Verletzte geben?

„Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.“

Eine Gewitterfront kann Angst machen. Auch die derzeitige Situation in unseren Krankenhäusern und die Situation auf den Straßen, auf denen gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert wird, kann Angst machen. Vielleicht stellen auch Sie sich die Frage, wie auch ich sie mir oft stelle: Was kommt da auf uns zu? Wohin führt das alles?

Möglicherweise neigen auch viele von Ihnen dazu – so wie auch ich – sich von diesen fragenden, manchmal auch ängstlichen Gedanken einnehmen zu lassen und sich resignativ und ernüchtert dem Schicksal zu ergeben oder auch mit einer ständig im Inneren nagenden Angst durch das Leben zu gehen.

„Die Menschen werden vor Angst vergehen…“ So steht es heute im Evangelium. Also nicht das, was kommt, ist der Grund für das Vergehen der Menschen, sondern die Angst davor? Hm. Das gibt mir zu denken.

Ich glaube, es stimmt. Wie oft hat mir die Angst schon ein Schnippchen geschlagen. Wie oft hat sich die Angst verselbständigt und in meiner Gedankenwelt eine mögliche Gefahr zu einer realen Gefahr gemacht, der zu entrinnen unmöglich schien. Dabei war die Wahrscheinlichkeit, dass wirklich etwas Schlimmes passiert, gar nicht so groß.

„denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden“. Was sind die Kräfte des Himmels? Das, was nach einem Gewitter so oft beobachtbar ist, ist diese heilvolle Klärung. Die Luft wirkt wie neu gereinigt, der blaue Himmel wird in neuer Frische sichtbar, die Sonne blitzt zwischen den Wolken hervor.
Wenn die Kräfte des Himmels erschüttert sind, ist unser Vertrauen in diese Klärung erschüttert und die Angst hat sich unserer bemächtigt. Es ist ein unheilvoller Zustand, da drinnen in dieser Angst.

Auch heute ist die Gefahr gegeben, dass wir Angst bekommen. Angst, dass die pandemische Situation nicht so schnell in den Griff zu bekommen ist und viel zu viele Menschen an Covid sterben. Angst, dass die Gräben in unserer Gesellschaft so groß werden, dass sie auch am Ende dieser Krise unüberwindbar scheinen und dass Beziehungskonflikte oder gar -abbrüche durch unterschiedliche Ansichten zu Impfung und Co nicht so schnell beiseite zu legen sind. Es sind ernst zu nehmende Ängste, die sich da in unserer heutigen Situation zu Wort melden.

Trotzdem: Jesus macht uns da mit seiner Rede zu seiner Gefolgschaft mit einem sehr besonderen Bild Hoffnung. Genau in dem Moment, in dem die Kräfte des Himmels erschüttert werden, also genau dort, wo die Hoffnungslosigkeit um sich gegriffen hat oder wir uns von ihr in Besitz nehmen haben lassen, genau „dann wird man den Menschensohn in einer Wolke kommen sehen, mit großer Kraft und Herrlichkeit“.

Um sich von diesem Kommen des Menschensohnes auch wirklich beeinflussen lassen zu können, braucht es aber noch etwas: „Wenn dies beginnt, dann richtet euch auf und erhebt eure Häupter“. Wir müssen also schon wirklich hinsehen. Wir müssen unsere ängstliche und gebeugte Haltung verlassen, und uns mit unserem hoffenden Ja aufrichten. Wir können, dürfen, ja sollen die Hoffnung und Zuversicht und das Vertrauen in das Wirken des Menschensohnes zu unserer Körperhaltung machen.

Ich habe das Gefühl, dieses Evangelium passt zum gegenwärtigen Geschehen wie der passende Deckel zum richtigen Topf. Gerade heute können wir uns das, was Jesus sagt, zu Herzen nehmen und damit unsere Hoffnung nähren.

Nützen wir jede Gelegenheit, um in den Himmel zu sehen. Dort spannt sich eine unendliche Weite auf. Der Himmel klärt sich nach jedem Gewitter, nach jeder Regenfront, auch der Nebel wird den Blick auf das Blau wieder freigeben. Oft sehen wir in Nebelzeiten gerade in der Nacht den schönsten Sternenhimmel. Machen wir das Vertrauen in das Klären des Himmels zum Vertrauen in das Heute. Vertrauen wir darin, dass sich viele Diskussionswogen wieder glätten werden. Vertrauen wir, dass sich die Situation in den Krankenhäusern wieder entspannen wird und dass allen Erkrankten geholfen wird.

Machen wir unsere Hoffnung und unser Vertrauen von außen erkennbar, indem wir uns aufrichten und von unserer Hoffnung erzählen.

 

Jedes Gewitter hat ein Ende. Und auch tiefe Gräben sind überwindbar. Wir können uns getrost in dieser christlichen Grundbotschaft betten- Und wir können sie hoffnungs- und vertrauensvoll weitererzählen!

 

 

Fürbitten:

- Heilender Gott, wir bitten dich für die Menschen, die gerade krank sind. Sei ihnen gegenwärtig, steh ihnen bei in ihrem Leiden und ihrer Angst, unterstütze ihr Gesund-Werden. 

Hörender Gott, radikaler Widerstand ist oft ein Zeichen dafür, dass sich Menschen nicht ernst genommen fühlen. Wir bitten dich für die Menschen, die sich gewaltsam Gehör verschaffen wollen: Stärke sie in ihrem Selbstwert und zeige ihnen Möglichkeiten, ihre wahren Anliegen gewaltfrei auszudrücken.

- Teilender Gott, zurückgeworfen in unsere eigenen Häuser und Wohnungen und allein mit unseren eigenen Nöten vergessen wir schnell auf die Nöte unserer Mitmenschen. Stärke unser Verlangen, uns einander mitzuteilen und füreinander da zu sein. 

- Gebender Gott, so viele Kinder, Frauen und Männer leiden physischen oder psychischen Hunger oder müssen sich in Kriegen oder Konflikten um ihre körperliche Unversehrtheit sorgen. Zeige uns Möglichkeiten, Hungernden, Leidenden und Flüchtenden zu helfen. 

- Handelnder Gott, Machthaber und Oppositionelle in der Politik sind auf der Suche nach Wegen, um von möglichst vielen Menschen gewählt zu werden. Hilf ihnen, dass sie langfristig denken und für ein gutes Wertesystem einstehen, das sie in ihrem Handeln geleitet. Du Gott des Lebens…

- Liebender Gott, immer wieder ist es die Liebe, die Gräben und Ängste zu überwinden vermag. Stärke unsere Liebe. 

 

 

Danke, Gott des Lebens, dass du uns nah bist in unserem Bitten und Danken. 

 

Segen:

 

Guter Gott,
In unserer Angst segne uns und sei bei uns als das Licht unseres Glaubens, das das zwielichtige Dunkel ausleuchtet.
In unseren Konflikten segne uns und sei bei uns als das Licht, in dem wir einander trotzdem immer wieder liebevoll begegnen.
In unseren Krisen segne uns und sei bei uns als das Licht am Ende des Tunnels, das uns Kraft zum Weitergehen gibt.
In unseren Beziehungsabbrüchen segne uns und sei bei uns als das Licht, durch das wir den Anderen wieder neu sehen können.
Im Auf und Ab unseres Lebens segne uns und sei bei uns als das Licht, das in den Tälern besonders hell leuchtet.
In all dem Schönen und Guten und Hellen und Freudigen segne uns und sei bei uns als das Licht, das uns Dich erkennen lässt.

So segne uns der drei-eine Gott, der Vater, der Sohn und die heilige Geistkaft

Gesprächsangebot

Die Wahrheit – in meinen Augen – ist,
dass die Gräben innerhalb unserer Gesellschaft gerade wie unter einem Brennglas zu Tage treten.
Wir streiten heftiger denn je oder verstummen sogar, die Beziehungen untereinander aufgebend, da uns die Tagesthemen Corona-Virus und Impfung gegen denselben jede*n einzelnen von uns in irgendeiner Weise persönlich betreffen. Wir können nicht heraus aus dem Thema, da es nicht um Entscheidungen geht, die unser Leben eventuell in Zukunft beeinflussen könnten (wie es zum Beispiel bei der Diskussion um die Aufnahme von Flüchtlingen wäre), sondern um eine weltweite pandemische Situation, in der wir alle seit eineinhalb Jahren gefangen sind.

 

Die Wahrheit – in meinen Augen – ist,
dass wir als Gesellschaft jetzt gerade auf die Probe gestellt werden. Sind wir fähig, trotz ganz unterschiedlicher Weisen, nach Informationen für unsere Entscheidungen zu suchen, trotz unserer emotionalen Involviertheit, trotz der anhaltenden Pandemie-Dauer, in der sich unsere Ansichten noch weiter verhärten konnten, einander zuzuhören, einander ernst zu nehmen, uns in unseren unterschiedlichen Meinungen wertzuschätzen? Sind wir fähig, miteinander im Gespräch zu bleiben und uns die Aussagen unseres Diskussionspartners zu Herzen zu nehmen? Oder sind unsere Herzen schon verschlossen?

 

Die Wahrheit – in meinen Augen – ist,
dass sich Impfgegner in ihrem Aufstand gegen eine politische Verleumdung und Verschwörung bestätigt fühlen durch Impfpflicht hinter vorgehaltener Hand – eine anscheinend moderne politische Strategie, bei der es an Ehrlichkeit und Durchsetzungsvermögen mangelt und die wohl einfach opportunistische Wählerbefriedigung im Fokus hat -,
dass sich Impfskeptiker schon die Ohren zuhalten, um sich Überredungsversuchen oder gar moralischen Vorwürfen nicht mehr aussetzen zu müssen,
dass Impfbefürworter auf dem moralisch höheren Ross zu sitzen glauben, da sie gewiss sind, mit der Impfung nicht nur sich selbst geschützt, sondern auch eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung übernommen zu haben.

 

(Offenlegung: Ich selbst befürworte die Impfung gegen Covid. Mir wäre es tatsächlich am liebsten, würden sich noch viel mehr Menschen impfen lassen. Ich weiß nicht, wie und warum dieses heimtückische Virus entstanden ist, ich trete aber dafür ein, hier nicht die Herkunftsforschung sondern die Handlungsforschung, also eine uns Menschen das Leben wieder verschönernde Bewältigung des Virus, voranzutreiben und die Pandemie möglichst schnell zu beenden. Ich glaube an die Wirksamkeit der Impfung in diesem Zusammenhang.)

 

Die Wahrheit - in meinen Augen - ist,
dass es uns als Gesellschaft an etwas mangelt: An Mut, sich Diskussionen zu stellen – nicht nur als verhärtete unnachgiebige Front, sondern als neugieriger Gesprächspartner, der mit Interesse auf die eigene, durch die Diskussion angeregte Entwicklung blickt. An Bereitschaft, sich empathisch auf eine andere Meinung ein und Gespräche in einem selbst nachwirken zu lassen. An Liebe, die sich von gegensätzlichem Denken nicht stören lässt und die sich selbst als letztes Wort in den Mittelpunkt stellt.

 

Die Wahrheit - in meinen Augen - ist,
dass wir uns tagtäglich für oder gegen eine derart mangelhafte, die Gräben zu überwinden unfähige Gesellschaft entscheiden können.

 

Die Wahrheit - in meinen Augen - ist, dass uns jetzt nur unser wertschätzender Blick auf unsere Mitmenschen und auf deren Beweg- und Entscheidungsgründe und unser herzoffenes Einbringen in die großen Fragen unserer pandemischen Zeit weiterhelfen können.

 

Das ist die Wahrheit – in meinen Augen. Wie sieht die Wahrheit für dich aus?

 

 

 

Zur Segensverweigerung für homosexuelle Paare

 Leserbrief zu „Ein Schlag ins Gesicht“ von Otto Friedrich, Furche 18. März 2021

 

Als Pastorale Mitarbeiterin fühle ich mich durch die Aussage der Glaubenskongregation, gleichgeschlechtliche Verbindungen seien sündhaft und daher sei ihnen ein kirchlicher Segen zu verweigern, tatsächlich so, als hätte man mir ins Gesicht geschlagen. Wir alle, die wir in der katholischen Kirche ehren- oder hauptamtlich mitwirken und/oder uns als Teil der Kirche wahrnehmen, SIND das Gesicht der Kirche. Wir haben tagtäglich für „unsere“ Kirche einzutreten. Ein mittlerweile verwundetes kirchliches Gesicht dem Außen zu zeigen fällt immer schwerer.

In gleichgeschlechtlichen Partnerschaften geht es um nichts weniger als um die LIEBE! In dem Wirken Jesu ging es um nichts weniger als um die LIEBE – und er kämpfte für die Liebesfähigkeit der Menschen auch gegen Widerstände! Wir als katholische Kirche sollten uns daher dazu berufen fühlen, der (wie auch immer geschlechtlichen) Liebe zweier Menschen zueinander und deren Entscheidung füreinander kirchlichen Lebens- und Segensraum zu bieten. Liebespaare sollten sich in ihrer gegenseitigen Zusage, ihrem Ja und ihrer Treue zueinander von uns als Kirche unterstützt fühlen!

In dem Dekanat, in dem ich arbeite, erlebe ich tagtäglich eine Kirche, die uns Menschen offenherzig begegnet und uns in unserem Lieben stärkt. In einer solchen Kirche wird spürbar, dass Gott die Liebenden segnet, und zwar ohne Unterlass und ohne Unterscheidung zwischen homo und hetero. 

 

 

Coronathon

 

Liebe Bewegungsfreudige!

 

 

 

In den letzten Monaten mussten und bis heute müssen wir auf viele unserer sozialen Aktivitäten verzichten. Große Lernaufgaben hatten und haben wir zu bewältigen, unser Adaptationsvermögen und unsere Resilienz werden durch die Pandemie umfassend geprüft. Des Vergleichs, der sich mir auf aufdrängt, bediente sich zwar schon vor mehreren Monaten ein ranghoher Politiker. Doch möchte ich ihn hier vertiefen:

 

Es ist, als ob wir mitten in einem Marathonlauf stecken würden, an dem wir unfreiwillig teilnehmen. Hinzu kommt, dass wir eigentlich mehr an 10 km Laufstrecke als an über 42 km gewöhnt sind, sodass wir auf keine passenden Erfahrungs- und Konditionswerte zurückgreifen können. Das Gute an dem Ganzen: Der Mensch ist sehr anpassungsfähig und wächst mit seinen Herausforderungen.

 

Die heutige Herausforderung ist, dass wir nicht wissen, wie viele Kilometer wir noch zu laufen haben, was uns eine taktisch sinnvolle Einteilung unserer Kraftreserven verunmöglicht. Wir sind also der aktuellen Situation ausgeliefert und uns bleibt nichts anderes übrig, als genau jetzt und hier das Beste aus ihr zu machen. Wie?

 

Würde es sich tatsächlich um einen Lauf handeln, könnte ich jetzt auf den Hintergründen meiner sportwissenschaftlichen Profession und meiner eigenen läuferischen Erfahrung Folgendes von mir geben:

 

Jetzt gerade, wo sich große Müdigkeit in uns breit macht, unsere Beine wie bleiern sind, wir das Gefühl haben, am Boden entlang zu schlurfen, und die Lauffreude der ersten Kilometer einer erschöpften Lustlosigkeit gewichen ist, ja – jetzt gerade geht es um viel. Uns ist klar geworden, dass es keinen anderen Weg gibt als den vor uns, der uns irgendwann an dieses uns lockende Ziel fühlt. Somit ist das Gebot der Stunde, das Laufen, diese sich ständig wiederholende Bewegung, diesen dauernden Wechsel aus Abdruck und Aufkommen, zu transzendieren. Es geht darum, den Wert dieser Bewegung zu erkennen, die Bewegung mit unseren Sinnen zu erforschen, sie sinnlich zu erspüren, ihren Sinn zu erlaufen. Nichts ist gerade sinnvoller als die Reduktion unseres Seins auf diese vermeintlich monotone Bewegung, in der wir gefangen zu sein scheinen – oder eben auch nicht. In ihr liegt eine uns bisher unerkannte Weite und Intensität:

 

Unsere Schritte werden von einem Boden getragen, der in unterschiedlichen Oberflächen und Konsistenzen unseren Füßen begegnet. Was immer gleich bleibt ist der beständige Widerstand, den er uns leistet. Wir verlassen uns mit unserem ganzen Sein auf diesen Widerstand, auf diese treue Begegnung. Unsere Füße wiederum haben ihre ganz individuelle Beziehung mit dem Boden. Sie schlagen, drücken, stoßen und/oder schieben. Im Moment des Aufkommens passen sie sich in ihrer Form dem Boden an und in minimaler Weise formen sie den Boden. Fuß und Boden beziehen sich aufeinander. Und unser Körper formt sich auf der Grundlage dieses über unsere Füße realisierten Bodenkontakts, in schwingender, kräftiger, verschraubter, immer wieder Seite wechselnder Weise. Jeder Schritt ist ein ausgeklügeltes Meisterwerk.

 

Begleitet werden unsere Schritte von unserem unaufhörlichen Atmen. Durch die Beachtung, die wir ihm schenken, gewinnt es an Tiefe. Voller Freude öffnet sich die Lunge der frischen Luft entgegen. Einströmen und ausfließen lassen. Wir können uns entscheiden, Hoffnung, Zuversicht, Lebensfreude einzuatmen und Verbrauchtes abzugeben. Unablässig und immer wieder, dem Rhythmus treu, der sich in der Harmonie mit unseren Schritten gebildet hat. Unser Körper macht Musik.

 

In der Vergegenwärtigung dieses faszinierenden und zugleich einfachen, sich wiederholenden Ablaufs ist möglicherweise die Mühsal des Laufens einer Lust daran gewichen.

 

Dass wir als Menschen fähig sind, in unseren Lebensaufgaben – und seien sie manches Mal noch so schwierig zu bewältigen – Sinn zu finden, kann uns Hoffnung geben. Wir sind begabt, unseren Herausforderungen sinnlich zu begegnen: Wir können die Gegenwart mit unseren Sinnen und verschiedensten sinnlichen und kreativen Tätigkeiten und Herangehensweisen zu erfassen suchen. Und so werden wir präsent und offen für die berührenden Aspekte unseres Lebens.

 

Ob dies nur für einen Marathonlauf gilt, sei hier in den Raum gestellt…