Mein spiritueller Hintergrund

 

 

Natur

 

Alles kommt aus der Natur. Alles geht in sie zurück. Wir SIND Natur. Und zugleich leben wir zunehmend naturfern. 
Denke ich an meine Kindheit zurück, sehe ich mich barfuß durch den Wald laufen. Die große Sehnsucht, draußen zu sein, mit meinen Sinnen die Luft, den Boden, die Pflanzen und Tiere wahrzunehmen, ist mir ständige Begleiterin. Das Gefühl der Dankbarkeit ist stets an meiner Seite, wenn ich durch den Wald streife, auf Berge gehe oder in der Sonne liege. Denn dann fühle ich Verbundenheit, Verbundenheit mit dem göttlichen Sein, das die Natur durchdringt und sie erschafft, immer wieder neu.

Die Natur zu schützen ist mir ein Herzensanliegen. 

 

Christentum

 

Meine religiöse Heimat ist das Christentum, das sich auf Jesus als Sohn Gottes beruft. Jesus machte die Geburt Gottes im Menschen mit seinem Leben erfahr- und begreifbar. Er wandte sich Menschen aller Schichten und Herkünfte ohne Vorurteile zu. Er heilte sie von ihren Leiden mithilfe seiner Zuwendung, mit seinen Worten und mit dem Versprechen, dass wir alle Kinder Gottes sind. Jesus irritierte dabei viele Gelehrte des Judentums, dem er selbst angehörte. Er lebte mit seinen Jüngerinnen und Jüngern in enger und ebenbürtiger Gemeinschaft, teilte mit ihnen sein Leben, Denken und Fühlen. Und er teilte mit ihnen seinen Weg, der einer der Bewegung, des Wanderns war. Von Dorf zu Dorf waren sie unterwegs. So erreichte Jesus viele Menschen, denn die Botschaft von und über ihn wurde weitergereicht in die Nachbardörfer. Zeitweise konnte sich Jesus dem Ansturm von Menschen, die sich nach Heilung und Liebe sehnten, gar nicht verwehren. Immer wieder suchte er den Rückzug, die Stille, um in (inneren) Dialog mit Gott zu treten.

Meine spirituelle Heimat ist der Glaube an einen Gott, der/die Leben spendet und dem Leben innewohnt. Die lebendige Erfahrung, das leibhafte Spüren dieser Heimat Gottes in uns und unserer Heimat in Gott, wird als Mystik bezeichnet.

Bedeutende Mystikerinnen und Mystiker fühlen sich meist in einer Religion beheimatet und sie wirken aus dieser religiösen Richtung heraus. Die Erfahrung des Verbunden-Seins mit einem göttlichen Prinzip vereint sie alle. Jede Religion bewegt sich innerhalb eines Rahmens, gestaltet mit Bildern und Symbolen, Geschichten und Gebetstexten, Geboten und Regeln. Der Mensch sucht nach Anhaltspunkten, braucht einen Rahmen, der wie die Himmelsrichtungen seiner Orientierung dient.

 

 

Gott aber ist nicht durch einen Rahmen beschränkbar. Dass Mystikerinnen und Mystiker auf der ganzen Welt trotz ihrer verschiedenen religiösen Herkünfte von ähnlichen Erfahrungen berichten und uns alle zu solchen Gotteserfahrungen einladen, lässt erahnen, dass wir alle von einem Gott oder einem göttlichen Prinzip sprechen. 

 

Bewegung 

 

Seit ich denken kann, ist mir die Bewegung eine treue Freundin. Sie öffnet mir die Tore zu meinem Körper und zu meiner Seele, also zu meinem ganzen Leib. Ich erkenne in der Bewegung und den Erfahrungen beim Bewegen eine bedeutende Tür zu meinem Glauben. Oft ist es einfach die Dankbarkeit, die sich beim Bewegen und der Beschäftigung mit dem Leiblichen einstellt, die Dankbarkeit für meine Möglichkeit, mich gehend, laufend, wandernd in der Schöpfung zu bewegen, sie zu erriechen, zu erschmecken, zu erspüren, mich dabei als Teil von ihr zu erfahren, verbunden mit ihr über meine Sinne, die mich auf allen meinen Wegen begleiten.  

Doch geht es nicht allen Menschen so, dessen bin ich mir bewusst.

Wenn Jesus sagt „Dies ist mein Leib“, so erkennen wir, dass Leib hier mehr meint als Körper. Das Wort „Leib“ begreift die Einheit von Körper und Seele. Und das Wort „Leib“ macht uns diese Einheit begreiflich. In der Bewegung entdecke ich diese Einheit immer wieder neu.

Wir Menschen sind leibhaftig, was bedeutet, dass wir dem Leib anhaften und der Leib uns. Über unseren Leib und die Sinne, die unserem Leib gehören, stellen wir unsere Beziehung zu uns selbst, zu anderen und zu unserer Umwelt her. Wir können ohne Leib nicht sein, denn wir SIND Leib. Das ist mehr, als einen Körper zu HABEN. All unsere Lebendigkeit ist Leiblichkeit.

Keine Geistigkeit kann sich der Leiblichkeit entledigen, denn ohne Leib vergeht des Menschen Geist. Mit einem ganz banalen Beispiel kann dies verdeutlicht werden: Angenommen, ein Mönch meditiert in Stille sitzend für einige Stunden. Auch bei den in Meditation und Kontemplation (also geistigen Praktiken) noch so geübten Ordensleuten begrenzen körperliche Notwendigkeiten die Dauer ihrer Meditation: Es wird ein Toilettengang notwendig, Hunger oder Durst treten auf, die Körperhaltung muss wegen Schmerzen oder Unwohlsein nach einiger Zeit geändert werden. Der Rückzug ins Geistige ist von körperlichen Bedingungen abhängig und durch sie zeitlich begrenzt. Wäre Gott nur in geistigen Aktivitäten wie der Sitzmeditation/-kontemplation zu finden, warum sind wir dann nicht zu grenzenloser und vom Körperlichen unabhängiger Geistigkeit begabt?

 

Es liegt mir nichts daran, den Wert der stillen und sitzenden Kontemplation oder Meditation zu schmälern. Vielmehr möchte ich Meditation und Kontemplation mit der Erfahrung der bewegten Leiblichkeit verbinden und beide sogar als mögliche Einheit bezeichnen. 

Das Leben ist von Wandel und Bewegung gekennzeichnet und vom Atem, dem Prinzip des Gebens und Nehmens getragen. Bewegung kann eine Form des Gebets und der Versenkung sein. Bewegung kann spirituelle Pfade freilegen und begehbar machen. Es gibt unzählige Lebens- und Ausdrucksformen von Glauben, von spirituellen und mystischen Erfahrungen sowie von Erlebnissen von Transzendenz. Bewegung ist eine davon.

 

Zugleich ist Bewegung ein dem Leben eingeschriebenes Prinzip, sodass Bewegung an sich als zutiefst seelische Erfahrung bezeichnet und erlebt werden kann. Dieses Erleben braucht keine Abkehr vom Alltag. Vielmehr hat Bewegung das Potential, eine Mystik des Alltags zu sein.  

 

 

 

 

Meister Eckhart

 

(mehr zu Meister Eckhart und seiner mich prägender Mystik siehe in meinem in Entstehung begriffenem Buch zu Bewegung und Spiritualität)